Vespa World Days 2008 Cefalu´ (Sizilien)

Vespa World Days in Sizilien und nur 5 Tage Zeit… Also blieb uns nichts Anderes übrig, als ein Flugzeug als Beförderungsmittel zu wählen. Ohne Roller ist die Teilnahme an der Eurovespa  - oder den jetzt so genannten Vespa World Days – zwar nicht das Gleiche, als wenn man selbst die Strecke auf der eigenen Vespa zurückgelegt hat, aber egal, Dabeisein ist alles…

Am Flughafen von Palermo trafen wir dann auch schon die ersten Gleichgesinnten, Dieter Mertes und seine Frau, die mit dem gleichen Flieger angekommen waren. Ein kurzes Gespräch an der Gepäckrückgabe, dann fuhren wir mit unserem Mietwagen die Autobahn Richtung Cefalu´. Schon die Strecke dorthin zeigte uns einen Vorgeschmack auf die Schönheit Siziliens. Der Ort Cefalu´  war dann auch – unserer Internetrecherche entsprechend – ein wunderschönes Küstenstädtchen mit einer malerischen Altstadt. Nachdem wir uns ausgiebig über unser wirklich tolles Appartement mit Riesen-Balkon (Meerblick!!!) gefreut hatten, machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Vespa-Village, das an der Strandpromenade von Cefalu´ angesiedelt war.

Dort wurden wir dann leider ein wenig enttäuscht, viele der dort aufgestellten Pavillons waren entweder nicht geöffnet oder es war nicht ganz nachzuvollziehen, was das dort Angebotene in irgendeiner Form mit Vespa zu tun haben sollte. Lediglich zwei Händler – einer mit überteuerter Vespa-Bekleidung und anderem Schnickschnack , der andere mit überteuerten und leider für Leute, die den Weg wirklich mit der Vespa zurückgelegt hatten, unnötigen „Ersatzteilen“ wie Sitzbänke etc. – fanden halbwegs das Interesse der wenigen anwesenden Vespisti. Untermalt wurde die Veranstaltung von den Klängen einer Live-Band, die zwar offensichtlich den Geschmack der anwesenden Italiener traf, unsere Ohren aber auf eine harte Probe stellte. Um 23Uhr war dann Schluss im Vespa-Village

Nach einem ausgiebigen Frühstück auf unserem Balkon stand am nächsten Tag ein erneuter Besuch im Vespa-Village auf dem Programm. Leider fand bei unserem Eintreffen dort gerade die Abfahrt zu einer gemeinsamen Ausfahrt statt, so dass wieder nur sehr wenige Roller und Vespa-Fahrer im Vespa-Village anzutreffen waren. Also entschlossen wir uns, der Altstadt einen Besuch abzustatten. Die dort ansässigen Händler hatten sich wirklich gut auf die Vespa-World Days vorbereitet. In jedem zweiten Schaufenster stand eine Vespa, entweder im Original oder wenigstens als Modell. Der Schaufensterbummel dort war für uns interessanter als das Vespa-Village selbst. Trotzdem wollten wir uns endlich anmelden. Nachdem wir nach vielem Hin und Her und ausgiebigem Suchen dann doch noch das Sekretariat der Veranstaltung gefunden hatten, war es leider geschlossen. Für 3 Stunden! Also zurück ins Vespa-Village und uns  zudröhnen lassen von der lauten Musik des dort aufgestellten Trucks, bei dem man Hamburger und Getränke käuflich erwerben konnte. Uns stand eher der Sinn nach Pizza, aber in einem der Restaurants an der Strandpromenade einen Sitzplatz zu ergattern, war schier unmöglich. Wir hielten uns dann noch weitere zwei Stunden im Vespa-Village auf, aber etwas wirklich Interessantes gab es dort nicht zu sehen. Nachdem wir uns dann endlich anmelden konnten und unsere „umfangreichen“ Begrüßungsbeutel in Besitz nehmen konnten, wollten wir eigentlich nur zurück in unser Hotel, duschen und umziehen und dann irgendetwas essen. Und zwar etwas möglichst Italienisches (also keine Hamburger…)

Also nach dem Duschen zurück in die Altstadt. Dort waren überall kleine Restaurants, mehr oder weniger teuer…  Aber, wie wir nach vier Tagen dort sagen können: gut! Auch an diesem Abend fanden wir ein schnuckeliges Restaurant in einer Seitengasse, sehr romantisch. Von der Strandpromenade wehten uns die Klänge einer Jazzband herüber und wir entschieden, uns das nicht mehr aus der Nähe anzuhören, sondern lieber gemütlich noch das eine oder andere Glas Bier bzw. Wein zu uns zu nehmen.

Samstag war dann der Tag der großen gemeinsamen Ausfahrt nach Palermo. Auch wir wollten – mit unserem Lancia Ypsilon – daran teilnehmen. Ursprünglich hatten wir geplant, einen Roller zu mieten, aber der ortsansässige Händler hatte offenbar schon genug verdient und entgegen der an seiner Ladentür aufgehängten Mitteilungen den ganzen Tag geschlossen. Nachdem wir einen Parkplatz gefunden hatten – was in Cefalu´ gar nicht so einfach ist – filmten wir die Abfahrt der etwa 400 Roller, um dann mit unserem Wagen hinterherzufahren. Unterwegs sammelten wir noch einen alten Bekannten ein, den wir durch Zufall am Straßenrand stehen sahen und der gerade mit dem Bus nach Palermo fahren wollte. Mit ihm und seiner Begleitung versuchten wir dann, dem Korso zu folgen, was sich als sehr schwierig herausstellte, da der Korso kein wirklicher Korso war, sondern ein in viele kleine Grüppchen aufgesprengter Korso… Viele dieser Grüppchen verfuhren sich mehrmals, so kamen uns z.B. die Ungarn mindestens sechs Mal aus den unterschiedlichsten Richtungen entgegen. Offensichtlich wussten auch die Veranstalter selbst nicht mehr die genaue Route und nahmen eine Abkürzung durch ein Industriegebiet, wohl um den Zeitverlust des mit italienischer Pünktlichkeit gestarteten Korsos (1 Stunde zu spät) wieder aufzuholen. Das hatte zur Folge, dass noch mehr der Grüppchen sich verfuhren und schließlich alle auf einem Parkplatz am Stadteingang von Palermo wieder eingesammelt werden mussten. Nun war es schon fast 13Uhr - angekündigte Zeit für das sogenannte Farewell-Dinner -  und die ebenfalls angekündigte gemeinsame Fahrt durch die „Prachtstraßen von Palermo“ wurde durch die Fahrt direkt zu der Halle, in der das Essen stattfinden sollte, ersetzt. Die Halle war ganz nett geschmückt, das Essen wurde auf Plastiktellern serviert, man musste mit Plastikbesteck essen, ein Großteil des Essens war kalt (zum Teil gewollt, zum Teil wohl eher nicht…), aber es gab soviel Wein, wie man trinken konnte – was wiederum sehr viel Sinn machte, da ja jeder der dort Anwesenden noch etwa 80 Kilometer mit seinem Roller bis nach Cefalu´ zurückzulegen hatte… Über die musikalische Darbietung während des Essens kann man sich streiten, für Fans seeeeehr lauter und schiefer Dixieland-Musik war es vermutlich ganz nett… Nach dem Essen fingen dann plötzlich alle an, die dort zur Dekoration aufgehängten Vespa-World-Club-Fahnen von den Wänden zu reißen. Ob das vom Veranstalter so gewollt war, weiß ich bis heute nicht. Wir haben jedenfalls auch eine ergattert…

Den restlichen Nachmittag verbrachten wir dann mit der Rückfahrt nach Palermo und ein wenig Schrauben an dem Roller unseres Bekannten.

Abends hatten wir keine Lust mehr auf Vespa World Days und kochten uns in unserem Appartement etwas zu Essen.

Abschließend bleibt nur zu sagen, dass ich den Aufenthalt in Cefalu´ sehr genossen habe, was aber nicht der Verdienst der Vespa World Days war. Wie ich zwischenzeitlich erfahren habe, wurde die Organisation der Vespa World Days nicht von einem Vespa-Club, sondern von professionellen Veranstaltern solcher Events durchgeführt. Das hat zu einer insgesamt eher lieblosen Veranstaltung mit einigen unüberlegten Programmpunkten (wie z.B. die lange Anfahrt zum gemeinsamen Essen) und ziemlich unpassender Musik geführt. Ich hätte mich vermutlich sehr geärgert, wenn ich dafür die ganze Strecke mit dem Roller gefahren wäre. So hatten wir ein paar nette Tage Urlaub in einer sehr hübschen Stadt auf einer wunderschönen Insel…

Autor: Marion Dobben

 

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