Eurovespa Lissabon

(oder: mit drei Zylindern quer durch Europa…)

 

Lange haben wir hin und her überlegt – wie viele andere wohl auch: Zur Eurovespa nach Portugal, ja oder nein, und wenn ja, dann wie??? Nach wochenlangem Abwägen des Für (Eurovespa – Geil, außerdem, in Portugal war ich auch noch nicht) und Wider (Naja, ganz schön weit, was das wieder kostet… will ich dafür eigentlich meinen ganzen Urlaub verbraten?) und etlichen „Nächten-drüber-schlafen“ entschieden wir uns (Markus, Alexander und ich) schließlich – wie nicht anders zu erwarten – für die Eurovespa.

Nun musste nur noch das Wie geklärt werden. Eigentlich ja keine Frage, mit dem Roller natürlich… Da gab´s nur ein Problem: Alexander darf mit seinen knapp 17Jahren nur 80kmh fahren, mehr gibt seine PX auch nicht wirklich her… In Anbetracht der Tatsache, dass er erst am 07.07.04 Ferienanfang hat, die Eurovespa schon am 08.07.04 beginnt, wäre die Fahrzeit wohl auch ein wenig knapp bemessen gewesen… Also Ausweichmöglichkeiten durchspielen:

1. Alle drei mit dem Flugzeug (günstig, aber Eurovespa ohne Roller???)

2. Auto mit drei Sitzplätzen kaufen, Roller verladen (so viel Kohle für ´ne Karre, die uns möglicherweise unterwegs liegen bleibt…)

3. und beste Möglichkeit: Alexander fliegt, wir fahren mit meinem Piaggio Porter (3 Zylinder, 48PS) mit zwei Rollern und dem Gepäck drin vor und holen ihn in Lissabon am Flughafen ab

 

Gesagt, getan, den Wagen noch kurz in die Werkstatt zum Überholen gebracht, vorsichtshalber Mitglied bei den „gelben Geiern“ geworden und los ging´s am Sonntag vor der Eurovespa.

Wer jetzt glaubt, na toll, die fahren ja mit ´nem Auto, der ist diese Art von Auto noch nicht gefahren… in Holland war das ja noch kein Problem, Geschwindigkeitsbeschränkung 120km/h (also Höchstgeschwindigkeit…), und fast alle halten sich dran, schön… Spätestens ab Frankreich, wo uns im übrigen die erste Hexagon überholt hat, wurde uns bewusst, dass wir mit unseren PX´n höchstwahrscheinlich genauso schnell gewesen wären…

Am dritten Tag kamen wir dann gegen Abend in Lissabon an, wir hätten vermutlich drei weitere Tage mit der Suche nach dem Campingplatz verbracht, wenn uns nicht zwei nette Polizisten dorthin eskortiert hätten, nachdem sie uns beim Parken und Kartenlesen auf einer Autobahnauffahrt erwischten…

 

Der Campingplatz war super, sehr schön gelegen unter Bäumen am Hang, leider aber auch in unmittelbarer Nähe der Autobahn, an deren Lärm man sich aber nach der ersten Nacht einigermaßen gewöhnt hatte. Gute sanitäre Einrichtungen, Supermarkt, Restaurant, Swimming-Pool, Minigolf, alles da. Einzig unsere direkten „Nachbarn von gegenüber“ trübten unsere Freude ein wenig, zumal sie offensichtlich weder Verständnis für jüngere Leute als sie selbst (sprich: unter 60) oder etwa für andere Musik als Volksmusik (sprich: Ska, Soul, etc.) aufbrachten und sich sofort nach Anstellen des Radios über die Lautstärke beschwerten, noch bevor wir das erste Bier getrunken hatten… Den gut gemeinten Hinweis, das sie sich schon mal daran gewöhnen könnten, da ab morgen „es nur so von Leuten wie uns wimmeln würde…“, nahmen sie offenbar nicht ernst und hielten es immerhin noch zwei weitere Nächte neben uns aus – wobei von Abend zu Abend sowohl die Lautstärke der Musik als auch die Anzahl der Besucher bei uns stetig zunahm – ohne sich noch ein weiteres Mal zu beschweren…

 

Am Mittwoch wagten wir die erste Ausfahrt mit unseren mitgebrachten Rollern (PV 125 und PK 125) in den Lissaboner Stadtverkehr. Dabei trafen wir auf eine Gruppe von Vespa-Fahrern geführt von einem Mitglied des Lissaboner Clubs, denen wir uns  anschlossen, was in einer spontanen, unangemeldeten Korsofahrt von ca. 14 Rollern, darunter Holländer, Franzosen, Spanier, Italiener, Belgier, Portugiesen und wir, quer durch Lissabons Altstadt mit gemeinsamen Mittagessen in einer typisch portugiesischen Kneipe (die ich niemals selbst gefunden und vermutlich auch gar nicht betreten hätte - das Essen war aber spitzenmäßig und die Besitzer sehr nett und freundlich)  einem anschließenden Strandbesuch und der gemeinsamen Rückfahrt mit einer Fähre endete. Ein wirklich toller Tag, an den wir uns gerne erinnern…

Donnerstag dann der offizielle Beginn der Eurovespa. Mittags holte ich zunächst Conny, eine Freundin vom Düsseldorfer Club, und Alexander vom Flughafen ab – nachdem ich diesen endlich gefunden hatte… Nach dem Aufbauen der Zelte fuhren wir zur Nennung zum Zielfahrtplatz, auf dem sich schon einige Vespisti eingefunden hatten. Die Begrüßungstüte konnte sich sehen lassen: ein Vespa-Modell aus Metall, eine Eurovespa-Plakette, Eurovespa-T-Shirt, zwei Schlüsselanhänger, Eurovespa-Pin und ein Liter Zweitakt-Öl. Der Zielfahrtplatz war im übrigen wunderschön, der Turm von Belem vor dem Fluss Tejo, eine traumhafte Kulisse für die vielen Roller… Auf dem Campingplatz starteten wir dann abends die erste unserer allabendlichen Grillpartys, da unser Platz auf direktem Weg zum Restaurant lag, gesellten sich nach und nach immer mehr Bekannte zu uns, es wurde sehr feucht-fröhlich, ziemlich laut und außerordentlich spät…

 Die ersten Ausfahrten am Freitag in Richtung Sintra ließen wir ausfallen und  fuhren stattdessen lieber zum Strand, wo wir uns ein paar Stunden in der Sonne braten ließen, um nicht wieder mit der typischen Rollerfahrerbräune (ab dem Knie abwärts, Hände dunkel-, Arme mittelbraun, Gesicht unter Aussparung einer Sonnenbrille, dabei besonders die Nase verbrannt…) nach Hause zu kommen. Einige von uns trauten sich sogar in den saukalten Atlantik, mir hat der große Zeh schon gereicht, um festzustellen, daß sich die Wassertemperatur außerhalb des für mich auszuhaltenden Bereiches befand.

Abends dann wieder die obligatorische Grillparty, nachdem wir uns im nahegelegenen Super-Super-Markt mit neuen Delikatessen (Paulaner Hefe-Weizen) wie Steak und Scampis zu überaus erschwinglichen Preisen eingedeckt hatten.

Für Samstag war die große Korsofahrt angesetzt worden, die für südländische Verhältnisse sogar pünktlich (nur eine dreiviertel Stunde zu spät) begann. Wir fuhren vom Zielfahrtplatz in Richtung Cascais, wo wir im Hafen die ersten Verpflegungspakete in Empfang nehmen konnten, Croissant mit Schinken und Käse, Saft und Mineralwasser. Nach dem Aufenthalt dort ging es durch wunderschöne Landschaft zum Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt Europas. Dort erwartete uns ein wunderbarer Blick über den Atlantik – und das zweite Lunchpaket: Salat (mit Dressing extra!), Brötchen mit Braten, Apfel, Chips, Saft und Mineralwasser – einwandfrei wie alles bisher.

Am Casino von Estoril sollte dann wohl noch ein weiterer Aufenthalt stattfinden, was aber aus irgendwelchen Gründen nicht geklappt hatte, vermutlich zu wenig Parkmöglichkeiten für alle Roller. Von da ab hieß es dann anscheinend: Wer als erster am Zielfahrtplatz ist, hat gewonnen… Alle fingen an, wie verrückt durch den Verkehr Richtung Lissabon zu rasen, das ganze immer noch von der Polizei eskortiert, die uns sogar über rote Ampeln winkte, an denen wir - wie sich das für ordentliche Verkehrsteilnehmer gehört - angehalten hatten… Nachdem am Zielfahrtplatz auch Conny und Alexander, die mit dem Porter gefahren waren, endlich eintrafen, fuhren wir gemeinsam zum Campingplatz, chic machen für den Ball.

 

Mit ich-weiß-nicht-mehr-wievielen Leuten fuhren wir in Ritas Wohnmobil zu der Halle, in der die Abendveranstaltung stattfinden sollte. Dort angekommen, mussten wir uns für den Einlass erstmal anstellen. Die Halle war mit runden Einzeltischen bestückt und mit lebensgroßen Vespa-Rollern aus Pappe dekoriert, die zu stibitzen sich zu einem richtigen sportlichen Wettkampf entwickelte. Das Essen in mehreren Gängen (u.a. Paella, Suppe, Braten, Dessert) schmeckte hervorragend, allerdings waren die Kellner ein wenig überfordert mit der Austeilung der Speisen und Getränke (die übrigens alle nicht bezahlt werden mussten!). Die Preisverleihung zog sich wie immer sehr lange hin, zumal jeder anwesende Club eine Auszeichnung erhielt, danach wurden unsere Ohren mit landestypischen „Fado-Gesängen“ auf ihre Toleranz gegenüber seltsamen Melodien hin getestet, viele Teilnehmer hielten die Toleranzgrenze bald für überschritten und versuchten, mit ihren „gefundenen“ Papp-Vespen den Saal zu verlassen, was in den meisten Fällen an den Sicherheitskräften am Ausgang scheiterte.

 

Sonntag zogen wir den Pool der zweiten großen Ausfahrt vor und relaxten den ganzen Tag vor uns hin, sogar zum Grillen waren wir zu faul und fuhren abends zu siebt (bei einem Auto mit zwei Sitzplätzen gar nicht schlecht…) im S85 nach Lissabon zum Essen.

 

Montag war Connys Rückflug, diesmal fand ich den Flughafen sofort. Auch einige andere alte und neue Bekannte machten sich auf den Rückweg. Die übrig gebliebenen fuhren mit dem Bus in die Lissaboner Innenstadt – freu - ich wollte endlich shoppen! Leider hatte ich drei männliche Begleiter, die den weiblichen Enthusiasmus für Schuhgeschäfte ja so gar nicht teilen… Wieder nix mit Einkaufen.

Dienstag war dann auch unser Abreisetag, allerdings hängten wir noch eine Woche Urlaub in Sintra im Ferienhaus dran, von wo aus wir uns wunderbar erholt auf die Rückreise machten, um, nachdem wir Alexander auch zum Flughafen gebracht hatten, in zwei Tagen schnellstmöglich nach Hause zu fahren – „Holiday in Holland“ wartete schon…

 

Als Fazit kann ich nur sagen, dies war die beste Eurovespa, an der ich bisher teilgenommen habe. Alles hat geklappt, war bestens organisiert, die Leute sehr freundlich und hilfsbereit, das Land wunderschön, wir fahren jederzeit gerne wieder zur Eurovespa nach Portugal!

Autor: Marion Dobben

 

Zurück zu "Reiseberichte"